Deutsch Ungarische Gesellschaft

in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Deutsch-Ungarische Sicherheitspartnerschaft
Ein Veranstaltungsbericht erschienen im Meinungsmagazin »Tichys Einblick«


September 2022: Im Verbreiten von schlechten Nachrichten über Ungarn erklimmen die Regierenden in Deutschland und Brüssel immer neue Höhen. Fairness gegenüber einem Mitgliedsland der Europäischen Union gibt es längst nicht mehr. Ganz im Gegensatz dazu gewannen dieser Tage bei einer Veranstaltung in der ungarischen Botschaft zu Berlin die Teilnehmer überraschend positive Erkenntnisse.

Die Deutsch-Ungarische Gesellschaft (DUG) hatte eingeladen, mit Experten und gut 70 Gästen über »Die deutsch-ungarische Sicherheitspartnerschaft – Stand und Perspektiven« zu diskutieren. Schließlich habe der russische Angriff auf die Ukraine schlagartig den Blick dafür geschärft, wie bedeutend die militärische Zusammenarbeit in der Nato, aber auch zwischen den europäischen Bündnispartnern für die gemeinsame Verteidigungsbereitschaft ist, so die Organisatoren. Denn die deutsch-ungarische Sicherheitspartnerschaft sei dafür ein bedeutender Baustein.
DUG-Präsident Gerhard Papke betonte, immer weniger seien bereit die negative Berichterstattung über den EU-Partner hinzunehmen.

Brüsseler Arroganz treibt Europa auseinander
In dem Zusammenhang kritisierte er wenige Tage vor der Veranstaltung, dass eine Mehrheit im EU-Parlament sich leider in den letzten Jahren immer wieder zu diffamierenden Äußerungen über Ungarn habe hinreißen lassen. Die jüngst verabschiedete Erklärung, Ungarn den Demokratie-Status abzusprechen und als »Wahlautokratie« zu bezeichnen (was immer das auch sein solle), »ist ein neuer trauriger Höhepunkt dieser Kampagne!«
So halte man die EU in einer Zeit historischer Heraus­forderungen nicht zusammen, sondern spalte sie.
Papke warnte noch einmal vor den Teilnehmern in Ungarns Botschaft: »Brüsseler Arroganz treibt Europa auseinander.« Brüssel wolle vorschreiben, »wie wir in Europa zu arbeiten und zu leben haben«.

Der Botschafter von Ungarn in Deutschland, Péter Györkös, zeigte sich an dem Berliner Abend diplomatisch, denn man sei mit der EU-Kommission in konstruktivem Dialog. Dennoch fragte Györkös: »Warum versteht keiner, dass Ungarn der beste Partner bei der Verteidigung Europas ist?« Schließlich habe sein Ministerpräsident Viktor Orbán weitgehend unbeachtet von der Presse-Öffentlichkeit schon während des Brexit Großbritanniens gemahnt: »Wir brauchen eine europäische Armee.« Das sei aber nie breit zitiert worden. Denn die wichtige Frage sei, kann Europa überhaupt seinen eigenen Anteil für die Sicherheit leisten – ohne die USA und Großbritannien?
Botschafter Györkös erinnerte bei der Sicherheits­partnerschaft daran, dass der Umbau der ungarischen Armee mit Bundeswehr und deutscher Rüstungs­industrie erfolgte. Bei Ungarns langjähriger Rüstungs­partnerschaft stünde Deutschland sogar vor den USA. Rheinmetall habe ein Joint Venture in Ungarn für die Errichtung eines neuen Munitionswerkes. In Europa gibt es nur sehr kleine Munitionsvorräte.
Zudem erfuhren die Gäste in der Botschaft von Györkös: »Ungarn schützt die Nato- Ostflanke, ungarische Kampfjets schützen die baltischen Länder.« Sie hätten schon mehrfach russische Düsenjäger vertrieben. »Wir reden nicht, wir handeln«, betonte Györkös zum Schluss.

Ungarns Generalmajor Sándor Fucsku (im Bild), heute Verteidigungs-, Heeres- und Luftwaffenattaché, erläuterte, dass seine Luftstreitkräfte mit ihren Gripen-Jets schon zum dritten Mal für die Nato beim
»Air Policing Baltikum« seit August bis Ende des Jahres Streife fliegen – in einem rotierenden System gemeinsam mit deutschen und italienischen Piloten. Darüber können sich deutsche Leser meist nur auf Nato-Seiten im Internet informieren.

Generalmajor Fucsku ist wie viele ungarische Offiziere gleich nach dem Mauerfall als junger Hauptmann an deutschen Bundeswehreinrichtungen ausgebildet worden.

 

»Viele ungarische Generäle sprechen daher Deutsch und nicht nur Englisch«, berichtete Fucsku, der seit 1999 in der Nato stellvertretender Befehlshaber des »Multinationalen Kommandos Operative Führung« in Ulm war.
Auch in umgekehrter Richtung läuft die Sicherheits­partnerschaft von Ungarn und Deutschland sehr gut. Insofern kann auch Oberstleutnant a.D. Uwe Patz, ehemaliger Austauschoffizier der Bundeswehr im Führungsstab der Streitkräfte Ungarns die einseitigen Berichte über das EU-Partnerland nicht verstehen. Patz teilte in einer Mail dem Präsidenten der DUG mit: »In meiner gesamten Dienstzeit in Ungarn konnte ich viele gute Erfahrungen und Erkenntnisse über das Land und die Leute sammeln. Diese Erfahrungen sind nicht die gleichen, welche unsere deutschen Medien zuhause verbreiten und senden«, zitierte Gerhard Papke die nachdenklichen Zeilen seines Gastes.

Europa kann keine „große Operation“ allein durchführen.
Patz berichtete den Gästen in der Botschaft über die faire Aufnahme im Führungsstab von Ungarns Armee mit rund 30.000 Soldaten. Er wäre dort in der Zeit von 2011 bis 2020 anfangs der einzige Ausländer gewesen. Immerhin lernte er dabei Ungarisch.
Oberstleutnant Patz mahnte nach seinen Erfahrungen im Führungsstab die notwendige Zusammenarbeit in Europa an. Denn keine andere Nation als die USA oder China könnten eine »große Operation« alleine lange durchführen. Deswegen müsse Europa seine militärischen Ressourcen zusammenführen. Ex-Austauschoffizier Patz nannte dafür ein Beispiel: Inzwischen gäbe es ein Nato-taugliches deutsch-ungarisch-kroatisches Tanklager, um Militärfahrzeuge und Flugzeuge in Europa gemeinsam zu versorgen.


Doch so viel gute Zusammenarbeit scheint den Bürokraten in Brüssel unter Führung von Kommissions­chefin Ursula von der Leyen völlig egal. Demokratie ist nur das, was sie dafür halten. Diese Arroganz und der ständig erhobene Zeigefinger gegenüber Mitglieds­staaten wird immer unglaubwürdiger, wenn man allein die Zustände der »Wahldemokratie« in der Bundes­hauptstadt Berlin von Ursula von der Leyens Heimat betrachtet. Darauf verwies zu Beginn der Veranstaltung DUG-Präsident Papke.
Dort hat selbst das Verfassungsgericht bereits verlauten lassen, »die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und den BVVen insgesamt für ungültig zu erklären.«
Also die Landes- und Kommunalwahlen sowie obendrein wohl noch zahlreiche Wahlkreise der Bundestagswahl von 2021 müssen wiederholt werden.

Was für ein Hammer und eine weltweite Blamage für Ursula von der Leyens Demokratie. Denn in Deutschlands Hauptstadt regiert nicht Ungarns Premier Viktor Orbán (Fidesz), sondern Bürgermeisterin Franziska Giffey von der SPD in Tateinheit mit Grünen und SED-Erben alias Linkspartei.
Die dokumentierten Wahlpannen, so das Berliner Verfassungsgericht, seien nur die »Spitze des Eisbergs«
in einer rot-rot-grün regierten Hauptstadt des moralisch so hoch über Ungarn stehenden Deutschlands. Die Zustände von Berlins Wahlabläufen gleichen inzwischen denen einer Bananen-Republik, kommentieren Beobachter voller Ironie.
Insofern sind viele Berichte über Demokratiedefizite Ungarns an Einseitigkeit kaum noch zu überbieten.


Freundschaftliche Verbindungen mit Tradition und Herzblut

300 Jahre Stift-Fuldaer »Stifoller« in Südungarn

September 2022: Lange Jahre werden die Verbindungen zwischen dem Fuldaer Land und der Baranya in Südungarn gepflegt. Über die Hintergründe und das Stilfoller Fest anlässlich der 300 jährigen Ansiedlung deutscher Auswanderer in Nimmesch/Himesháza ein Bericht von Berthold Jost.

Mitglieder der deutschen Selbstverwaltung und des Stilfoller Freundeskreises am Denkmal Ulmer Schachtel/Heldenplatz in Nimmesch/Himesháza

Rund 100 Gäste aus Rasdorf und dem Landkreis Fulda machten sich am ersten Septemberwochenende auf den Weg in die ungarische Partnergemeinde Nimmesch (Himesháza), um ein 300-jähriges Jubiläum zu feiern.
Zu den Hintergründen: Im Jahr 1983 begann eine neue Epoche zwischen den Stifollern in der Baranya in Südungarn und der Heimat ihrer Vorfahren im Fuldaer Land, in Rhön und Vogelsberg. Stifoller sind die aus der Urheimat Hochstift Fulda nach Ungarn ausgewanderten Bewohner.
Im Oktober 1983 begaben sich 77 Personen mit einem Doppeldeckerbus auf den 1.100 km langen Weg nach Südungarn. Ziel war das Stifoller Dorf Nimmesch/Himesháza. Ein 1982 in Fulda gegründeter »Stifoller Freundeskreis« hatte die Fahrt organisiert. Zurück im Fuldaer Land angekommen, gab es dann Überlegungen, wie die Verbindungen zwischen  Nimmesch und dem Fuldaer Land auch künftig erhalten bleiben können. In Kenntnis des Renovierungsbedarfs der Sierer/Szúrer Kirche, die in der Einwandererzeit erbaut wurde, hatte sich der »Stifoller Freundeskreis«, zum Ziel gesetzt hat, im Fuldaer Land Spenden zu sammeln, um die Renovierung durchzuführen. Es konnten ca. 50.000 DM gesammelt und die Renovierung im Sommer 1987 abgeschlossen werden. Der heimische Bischof Dr. Josef Cserhati nahm gemeinsam mit dem ehemaligen Fuldaer Bischof Prof. Dr. Eduard Schick am 4. Oktober 1987 unter großer Beteiligung der heimischen Bewohner und über 150 Gästen aus der Urheimat an dem Kirchweihfest in Sier/Szür teil.

Gottesdienst am Kirchweihsonntag in deutscher und ungarischer Sprache (Kirche Nimmesch)


Reger Austausch in den Folgejahren
In den Folgejahren besuchten sehr viele Bewohner, Vereine, Reisegruppen, Schulkassen, Orchester und Organisationen aus dem Fuldaer Land verschiedene Stifoller Dörfer. Umgekehrt fuhren auch immer wieder viele Stifoller in die Urheimat.
So fand 1986 in Petersberg ein großes Stifoller Treffen mit Bewohnern aus Stifoller Dörfern in Ungarn und Vertriebenen, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden hatten, statt.  Daraus entwickelte sich auch die Partnerschaft zwischen Nimmesch und Rasdorf, die 1989 offiziell durch die damaligen Bürgermeister Georg Hübner und Berthold Jost besiegelt wurde.
Der Vorstand der Deutschen Selbstverwaltung in Nimmesch begann im Herbst 2021 mit den Planungen eines Stifoller Festes aus Anlass der Ansiedlung der Stifoller vor 300 Jahren in Nimmesch. Für den Stifoller Freundeskreis war dies Anlass, sich mit einem Beitrag bei diesem Jubiläum zu engagieren. Es wurden mehrtägige Reisen für Bewohner des Fuldaer Landes und für das Orchester der Lichtbergschule Eiterfeld organisiert. Die Verbundenheit und die bestehenden freundschaftlichen Verbindungen sollten damit bekundet und nachhaltig verstärkt werden.

Fekeder Kapelle vor Ort.

Es war geplant, dass sich die verschiedenen Stifoller Dörfer in der Branau und Tolnau mit ihren Kultur­gruppen präsentieren sollten. Die Urheimat der Stifoller wollte sich hier auch beteiligen. So die Idee von Friedhelm Bott, ehemaliger Direktor der Lichtbergschule Eiterfeld, für ein musikalisches Stück »So sen mr dohar komme« aus Anlass der Erinnerungsfeiern »300 Jahre Ansiedlung in Nimmesch«. Die Grundlage zur Idee fand sich auch in dem Buch Vadalma, vadalma, magva de kerserü! (A magyarországi németek népköltése), dessen Beiträge von Karl Manherz zusammengestellt wurden.

Für diesen musikalischen Beitrag konnten Schülerinnen und Schüler der Lichtbergschule Eiterfeld gewonnen werden, die aktiv in dem Schulorchester musizieren und singen. Unterstützung fanden sie durch Andreas Kramm und die Mädchengruppe aus Nimmesch. Dirigentin ist Michaele Schoeler.
Zoltán Schmidt, Büroleiter der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in der Branau, begrüßte die Besucher im vollbesetzten Kulturhaus in Nimmesch und erinnerte an die Ansiedlung der Stifoller und über die intensiven Kontakte zwischen den Stifollern in der Region und in der Urheimat.

Friedhelm Bott führte in die »Musikalische Erinnerung« ein und begleitete die Hauptdarsteller – Andras und Anna – und das Orchester als Sprecher.
Das musikalische Stück bestand aus vier Akten: 1) Abschied aus dem Stift Fulda 2) Auf dem Weg nach Ungarn 3) Enttäuschung in der neuen Heimat 4) Unermüdliche Stifoller.
Diese 4 Szenen machen bewusst, wie beschwerlich und mühsam die Lebenswege der Kolonisten vor dreihundert Jahren waren. Nur mit Frömmigkeit, Bewahrung der Traditionen, der Sprache und mit immensem Fleiß konnten diese »steinigen Wege« gegangen werden, wurde nie die Hoffnung verloren!

Akteure der Lichtbergschule

Szenen der Lebenswege
In der ersten Szene wurde darüber berichtet, wie die Werber im Hochstift Fulda im Auftrag des Bischofs von Fünfkirchen und des Abtes von Pecsvarad tüchtige Menschen suchten, die das Land in Ungarn wieder nutzbar machen sollten. In der Rhön gab es nur karge Böden und den Bewohnern ging es nicht besonders gut. Die Werber preisen den armen Menschen eine gold´ne Zeit im Ungarnland an. Das »Ehepaar« Andras und Anna konnte überzeugt werden, ihre Rhöner Heimat zu verlassen.
Die zweite Szene wird der Weg nach Ungarn dargestellt. Das junge Paar machte sich mit Arbeitskleidern, Leiterwagen, Ochs, Hahn, Huhn, Axt und Saatgut auf den Weg nach Regensburg. Mit der Ulmer Schachtel auf der Donau erreichte man das Ziel in der Branau.
In der neuen Heimat angekommen, so die dritte Szene, ein Schreck ist in Andras und Anna gefahren. All das was ihnen versprochen wurde, haben sie nicht vorgefunden. Hier kennt das Leben ein Gebot: Dem Ersten droht der frühe Tod, dem Zweiten bleibt die Hungersnot, dem Dritten erst schenkt er das Brot. Das Wetter lehrt den Siedler auch auf Gottes Gnad zu hoffen. Der Hergott wird´s schon richten.
Der vierte Akt zeigt, wie mit Fleiß und Ausdauer an den Aufbau des Hofes und die Bestellung der Äcker angegangen wird, damit der Lebensunterhalt gesichert wird. Hier wird auch an die Sitten und Gebräuche erinnert, die aus der alten Heimat mitgebracht wurden und in der neuen Heimat gepflegt werden. Zum Ende wurde das Lied »Nun danket all und bringet Ehr…« gemeinsam von den Mitgliedern des Orchesters und einer Mädchengruppe aus Nimmesch gesungen (Foto).









Gelungenes Miteinander
Im Anschluss wurde das Publikum noch vom Orchester mit zeitgemäßer Musik unterhalten. An diesem Abend fanden darüberhinaus viele unterhaltsame Gespräche zwischen Nimmescher Bewohnern und den Gästen aus dem ehemaligen Stift Fulda in ihrem Dialekt statt.

Das Stifoller Dorf Feked war auch Ziel der Besucher­gruppe des Stifoller Freundeskreises und des Orchesters. In diesem Dorf werden das dörfliche Leben und das Brauchtum aus der alten Heimat noch gelebt und gepflegt. Bürgermeister Peter Tillmann begrüßte mit der örtlichen Kapelle die Gäste, eine Führung in der Kirche und bei einem Rundgang im Dorf konnte man die Baukunst an den Häusern bewundern. Bei einem gemeinsamen Mittagessen im Kulturhaus konnten regionale Köstlichkeiten genossen werden.

Das Orchester der Lichtbergschule gestaltete einen Sonntagsgottesdienst mit und führte das Musikstück als Generalprobe auf. Im Rahmen der Feierlichkeiten fand in Nimmesch ein Gottesdienst statt. Konzelebranten waren der Nimmescher Pfarrer Joseph Erb und Probst Heinrich Josef Durstewitz als Teilnehmer der Reisegruppe. Probst Durstewitz erinnerte in seiner Predigt an die Verbindungen der Heiligen Elisabeth zwischen Ungarn und Thüringen.

In dem vollbesetzten Festzelt boten Gesangs-, Tanzgruppen und Darsteller aus Nimmesch, zahlreichen Stifoller Dörfern und der Partnergemeinde Rasdorf Darbietungen in ihrer Mundart dar.
Dieses Stifoller Fest, an dem Besucher aus Rasdorf, das Schulorchester der Lichtbergschule Eiterfeld und die Besuchergruppe des Stifoller Freundeskreises gemeinsam mit den Nimmescher Bewohnern und aus den zahlreichen Stifoller Dörfern teilnahmen, wird dazu beitragen, dass die Verbundenheit zwischen Bewohnern in der Urheimat und in der Branau weiter gefestigt und erhalten bleibt.

Teilnehmer der vom Stifoller Freundeskreis organisierten Reise nach Nimmesch


Kommunistische Unterdrückung in Ungarn und Deutschland – Zwei Regimegegner berichten

DUG-Veranstaltung in Bonn

Karl Tschurl, eines der ältesten DUG-Mitglieder zu Gast im Zeitzeugengespräch

August 2022: Unter dem o.g. Thema lud die Deutsch-Ungarische Gesellschaft zu einem Gesprächsabend in das Gustav-Stresemann-Institut in Bonn ein.  Und die Teilnehmer erlebten einen gleichermaßen lehrreichen wie eindringlichen Abend.

Zuerst sprach Karl Tschurl, eines der ältesten DUG-Mitglieder, der erst kürzlich sein 90. Lebensjahr vollendet hat. Er berichtete über die Schikanen, die er, nach der kommunistischen Machtergreifung als Sohn wohlhabender Landwirte aus Enese im Komitat Györ schon als Kind ertragen musste. Trotz seiner schulischen Begabung gelang es ihm nur mit Mühe, überhaupt zum Abitur zugelassen zu werden.
Studieren durfte er danach nicht, sondern wurde Fabrikarbeiter in der Metall­industrie. Immerhin gelang es ihm mit eisernem Willen, über Umwege an die Franz Liszt-Akademie in Budapest zu kommen, um sich dort seiner eigentlichen Leiden­schaft zu widmen: der Musik.

In Budapest erlebte er unmittelbar den politischen Gärungsprozess mit, der schließlich in den Ausbruch des Ungarischen Volksaufstands am 23. Oktober 1956 führte. Er war beim symbolträchtigen Sturz des Stalin-Denkmals vor dem Budapester Stadtwäldchen dabei – und besitzt noch heute, wie er schmunzelnd erzählt, »ein kleines Trümmerstück von Stalin«.
Nach der Niederschlagung des Aufstands durch sowjetische Panzer floh Tschurl erst nach Österreich und ging dann nach London, um an der dortigen Royal Akademie mit einem Diplom als Bratschist und Musiklehrer für Geige abzuschließen. Dann startete er eine internationale Karriere als Musiker mit Stationen u.a. in Wien (Philharmonia Hungarica), Luzern, Baden-Baden. Fast 30 Jahre lang gehörte er den Duisburger Philharmonikern an.

Ungarn blieb Tschurl immer eng verbunden: Nach dem Fall des Kommunismus erwarb er mit Entschädigungs­zahlungen etwas Ackerland und stellt die Pachteinkünfte bis heute vollständig für die musikalische Förderung von Kindern in seinen Heimatdörfern zur Verfügung.

Felix Heinz Holtschke, weiterer Gast des Abends - Freiganggelände des Stasi-Gefängnisses in Hohenschönhausen

Tschurls bescheidene Schilderung seines außergewöhnlichen Lebensweges war für die Zuschauer spürbar ebenso beeindruckend wie das, was dann Felix Heinz Holtschke aus seinem Leidensweg in der DDR in den 70er und 80er Jahren vortrug. Was als harmloser Briefwechsel mit gleichaltrigen Schülern begann, führte ihn früh­zeitig ins Visier der Stasi, aus dem es irgendwann kein Entrinnen mehr gab.

Nachdem er sein Studium in Dresden als Diplom-Ingenieur für Verkehrsbauwesen abgeschlossen hatte und nach Ost-Berlin gekommen war, wurde sein Drang nach Freiheit immer stärker. Er kam in Kontakt zu DDR-Oppositionskreisen und schließlich mit einem »Fluchthelfer«, der ihn an die Stasi verriet. Im November 1984 wurde er mit seiner schwangeren Frau verhaftet und zwei Monate später wegen »Republikflucht und verbrecherischer Agenten­tätigkeit« 1985 zu drei Jahren Haft verurteilt und in berüchtigten Stasigefängnissen eingekerkert.

Die völlige Willkür und Rechtlosigkeit als politischer Häftling, die Felix Holtschke bewegend und anschaulich beschrieb, die Schikanen der Wärter, die schlimmen Haftbedingungen und die emotionale Einsamkeit, die damit verbunden war, hinterließen bei seinen Zuhörern in Bonn erkennbar tiefen Eindruck.
Ende 1985 wurde er »freigekauft« und kam nach Westdeutschland, wo er beruflich schnell Fuß fasste und erfolgreich war. Aber seine Erlebnisse als Opfer eines kommunistischen Unterdrückungsregimes, auch das wurde deutlich, beschäftigen ihn bis heute. Er engagiert sich seit Jahren führend im Verein der Opfer des Stalinismus.

Man kann nur hoffen, dass beide Persönlichkeiten, Karl Tschurl genauso wie Felix Heinz Holtschke, gerade unter jungen Menschen viele weitere Zuhörer finden. Durch ihre Schilderungen wird sichtbar, dass Freiheit nichts Selbstverständliches ist und Menschen braucht, die sie engagiert verteidigen. Auch das ist vor dem Hintergrund unserer Geschichte eine wichtige Aufgabe für die deutsch-ungarische Freundschaft.

DUG-Veranstaltung: Deutsch-Ungarische Perspektiven nach den Wahlen

»Schon deshalb liebe ich die Ungarn«

Mai 2022 –  ein Veranstaltungsbericht von Zita Tipold

Mit nicht weniger als 54 Prozent der Stimmen triumphierte das ungarische Regierungsbündnis Fidesz-KDNP bei den Parlaments­wahlen im April. Das sind Zahlen, von denen deutsche Parteien nur träumen können. Hiesige Medien reagierten erwartungsgemäß entsetzt auf die demokratische Entscheidung. »Die Ungarn haben es gewagt, den deutschen Wahlempfehlungen nicht Folge zu leisten«, sagte der Präsident der Deutsch-Ungarischen-Gesellschaft (DUG), Gerhard Papke, mit verschmitzt-ironischem Ton am Dienstagabend in der ungarischen Botschaft in Berlin und sorgte damit für Schmunzeln.

Nachdem Ministerpräsident Viktor Orbán am Montag vom Parlament in seinem Amt bestätigt wurde, gilt es nach vorne zu schauen und die deutsch-ungarischen Perspektiven nach der Wahl auszuloten. »Die Ungarn haben in Deutschland mehr Freunde als ZDF und ARD vermuten lassen«, versicherte Papke dem Botschafter bei der Begrüßung der Gäste. »Das ist gut, denn dort haben wir keinen einzigen«, entgegnete der mit einem Grinsen im Gesicht. In ein an den Vortrag anschließendes Nachwort präsentierte Journalist Olaf Opitz die größten medialen Entgleisungen bei der Berichterstattung nach der Ungarn-Wahl und sorgte damit für reichlich Gelächter und gute Stimmung.



Ungarn lässt sich nicht reinreden

Einige der größten Kritiker Ungarns würden das Land nicht kennen, gab der DUG-Präsident zu Bedenken. Dennoch attackierten sie die dortige Regierung und appellierten an die Bevölkerung, den vermeintlichen »Diktator« Orbán abzuwählen. Sie hatten wohl auf einen Sieg der Oppositionsliste gehofft, die selbst deren Spitzenkandidat Péter Márki-Zay während des Wahl­kampfs als breites Bündnis von »Faschisten bis Kommunisten« bezeichnete. Wer das Volk aus dem Herzen Europas kennt, weiß aber: Sie haben ihren eigenen Kopf und lassen sich nicht reinreden. »Sie machen, was sie für richtig halten. Allein schon deshalb liebe ich die Ungarn«, betonte Papke. »Unsere Politik wird nicht in Brüssel entschieden, sondern in Budapest«, bekräftigte Györkös.

Rechtsstaatlichkeitsverfahren fühle sich wie Strafe an
Dafür erhielt das Land kurz nach der Wahl die Quittung. Nur 36 Stunden nach dem Urnengang kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an, ein Rechtsstaatlichkeitsverfahren gegen Ungarn einzuleiten. »Das war für mich ein Kulturbruch«, bedauerte der Botschafter. Die Mitteilung aus Brüssel habe sich wie eine Strafe angefühlt. Diejenigen, die versuchten, sein Land mit Mittelkürzungen zu erpressen, würden es nie verstehen. In seiner Heimat fruchte eine solche Maßnahme nicht. »Mia sind mia«, sagte er mit Blick auf die bayerische Redensart.

Galt Ungarn vor der Wahl, die von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa auf ihre Richtigkeit überprüft wurde, für deutsche Vertreter links der Mitte noch als Problembär in Sachen Rechts­staatlichkeit, haben sie aktuell einen neuen Grund gefunden, um das Land ins Visier zu nehmen. Diesmal lautet der Vorwurf »Putinfreundlichkeit«.

Botschafter Györkös: Russland ist der Aggressor
»Wir wissen, wer der Aggressor ist«, stellte Györkös eindeutig klar. Es handele sich um einen Angriff Russlands auf die Ukraine. »Wir öffnen unsere Herzen, Arme und unser Land für die Flüchtlinge.« Hundert­tausende Menschen hatte Ungarn aufgenommen. Einige sind weitergezogen, manche mittlerweile wieder heim­gekehrt. Viele von ihnen werden dort aber noch immer versorgt. Diese Art der Unterstützung leiste sein Land gerne, Soldaten und Waffen werde es aber nicht in die Ukraine schicken. Auch gegenüber Sanktionen habe es Vorbehalte, stellt Györkös klar. Die Voraussetzung müsse immer sein, dass solche dem »Aggressor« mehr schadeten als denen, die sie verhängten. »Willst du Putin in die Knie zwingen oder Ungarn?«, warf Györkös auf. Das von  der EU geplante Öl-Embargo stelle für die Wirtschaft seines Landes ein »horizontales Problem« dar. Die Regierung hatte eine solche Maßnahme zuvor mit einer drohenden »Atombombe« für Ungarns Wirtschaft verglichen.
»Moral ist wichtig, sie ernährt aber keine Familie«, stellte der Botschafter pragmatisch fest. Selbst US-Finanz­ministerin Janet Yellen habe vor einem Öl-Embargo gewarnt. Ein solches Verbot richte auch ihr zufolge mehr Schaden an als es Nutzen bringe.

Position zu Sanktionen sei durch die Wahl vom Volk legitimiert
Am Tag als die EU angekündigt habe, über eine ent­sprechende Sanktion nachzudenken, sei der Welt­markt­preis für Öl sofort um vier Prozent gestiegen. Folglich habe Putin allein schon an der Überlegung verdient, mahnte Papke.
Anders als es in den Medien dargestellt werde, stelle sich Ungarn also nicht aus einer Freundschaft zu Putin gegen die Sanktionen quer, sondern, um Schaden von der eigenen Wirtschaft abzuwenden, verdeutlichte Györkös noch einmal eindringlich.
Die ungarische Bevölkerung stehe hinter dieser Position. Der Ukraine-Krieg sei ein großes Thema im Parl­aments­wahl­kampf gewesen und die Parteien hätten klar gemacht, welchen Kurs sie anstreben. Um solche Punkte zu berücksichtigen, fehle es in Deutschland aber gelegentlich an der »intellektuellen Neugier«. Ungarn wäge schwerwiegende Entscheidungen gut ab. »Mia san mia«, betonte Györkös noch einmal. »Und wären wir anders, wäre 1989 vielleicht nicht der erste Stein aus der Berliner Mauer gebrochen.«

Der Journalist Olaf Opitz gab einen Einblick in die Berichterstattung deutscher Medien nach den ungarischen Wahlen. (v.l.n.r. Gerhard Papke, Botschafter Péter Györkös, Olaf Opitz)



Wahl Katalin Nováks zur Staatspräsidentin

Die Mutter der ungarischen Nation

März 2022 von Zita Tipold


Erstmals in der Geschichte des Landes hat Ungarn eine Staatspräsidentin. Katalin Novák ist nicht nur die erste Frau in diesem Amt, sondern mit ihren 44 Jahren auch das jüngste Staatsoberhaupt seit der demokratischen Wende 1989. Sie löst damit János Áder ab, der im Mai nach zehn Jahren aus dem Amt scheiden wird.
»Frisch, intelligent und hübsch«, beschrieb Ungarns Minister für Humanressourcen, Zoltán Balog, die Fidesz-Politikerin 2012. Damals suchte er einen neuen Kabinettschef. Die studierte Juristin und Volkswirtschaftlerin bewarb sich um die Stelle – mit Erfolg.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Familienmutter und Karrierefrau bereits drei Kinder und erste politische Erfahrungen als Regierungsbeamte im Außenministerium gesammelt. In den folgenden Jahren sollte sie ihr Weg über mehrere Posten als Staatssekretärin schließlich zur Vizepräsidentin ihrer Partei führen. Sowohl im Ministerium für Humanressourcen wie auch als Vorsitzende des Fidesz-Kabinetts für Demographie und Familienangelegenheiten, widmete Novák sich immer wieder ihrem Herzensthema Familienpolitik. Eine besondere Würdigung dieser Bemühungen kulminierte 2020 schließlich in ihrer Berufung zur Familienministerin.

Glaube hat hohen Stellenwert für Novák
Doch die gebürtige Szegedinerin mit der warmherzigen Ausstrahlung gewährt neben ihrer politischen Tätigkeit auch gerne Mal einen Blick ins Private: Sei es als Mutter, Hausfrau oder Marathonläuferin. Zudem hat ihr Glaube einen hohen Stellenwert für die reformierte Christin, die sich vielen karitativen Projekten widmet.
Obwohl Novák als Politikerin selbst in einer männlich geprägten Domäne zugange ist, appellierte sie in der Vergangenheit mehrfach an Frauen, nicht dem Gefühl zu erliegen, ständig mit Männern konkurrieren zu müssen. In der Tat eifert sie Männern nicht nach, sondern bringt ihren ganz eigenen Stil in die politische Sphäre ein, der von klassisch weiblichen Qualitäten wie einer hohen Empathie geprägt ist. So betonte sie in ihrer Bewerbungsrede mit Blick auf den Krieg zwischen Rußland und der Ukraine: »Wir Frauen wollen nicht den Krieg, sondern den Frieden gewinnen.« Und weiter: »Ich möchte nicht im Vergleich dazu, sondern auch dank der Tatsache, dass ich eine Frau bin, eine gute Präsidentin werden.«

Zu Deutschland hat Novák ein besonders freundschaftliches Verhältnis. Für anderthalb Jahre lebte sie im hessischen Schmitten. Ihr Mann, der Wirtschaftswissenschaftler István Veres, arbeitete in Frankfurt am Main für die Europäische Zentralbank. Neben Französisch und Englisch spricht sie auch Deutsch fließend.
Ihr Respekt und Verständnis gegenüber den verschiedenen Nationen Europas ist eine weitere Facette ihres persönlichen Stils. So plädierte sie in ihrer Bewerbungsrede dafür, sich zwar das ein oder andere von den westeuropäischen Staaten abzuschauen, gleichzeitig aber auch nie die Liebe für das Eigene aus dem Blick zu verlieren. Mit dieser Verpflichtung gegenüber Ungarn will Novák ihr Amt antreten. Die Deutsch-Ungarische-Gesellschaft wünscht ihr dabei gutes Gelingen und viel Glück.

Onlinekonferenz zur Medienfreiheit in Ungarn/Veranstaltungsbericht

Januar 2022 von Márton József Böhm

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Deutschland und Ungarn im Gespräch« organisierten das Deutsch-Ungarische Institut für Europäische Zusammenarbeit am Matthias Corvinus Collegium und die Deutsch-Ungarische Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V. am 17. Januar 2022 einen Vortrag über die Medienfreiheit in Ungarn mit anschließender Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung, welche von über 90 Zuschauern live mitverfolgt werden konnte, wurde über Zoom abgehalten.

v.l.n.r.: Bence Bauer, Direktor Deutsch-Ungarisches Institut für Europäische Zusammenarbeit; Boris Kálnoky, Leiter der Medienschule am MCC und Gerhard Papke, DUG Präsident

Nach den Einladungsworten der beiden Gastgeber, Bence Bauer, Direktor des Deutsch-Ungarischen Institutes, sowie Gerhard Papke, Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft, hielt Boris Kálnoky, Leiter der Medienschule am MCC, seinen Vortrag. Kálnoky führte in die Geschichte der ungarischen Medienlandschaft ein, angefangen von der Ausganglange zur Wendezeit. Der jahrelange Auslandskorrespondent der Welt hob hervor, dass sich mittlerweile eine Ausgewogenheit zwischen regierungskritischen und regierungsfreundlichen Medien eingestellt habe, wenngleich es in den verschiedenen Bereichen bestimmte Ungleichgewichte gibt. Während die meisten Tageszeitungen regierungsfreundlich sind, stehen etwa die meisten Wochenzeitungen der Regierung kritisch gegenüber. Früher dagegen habe es eine klare Dominanz der linksliberalen Medien gegeben. Von einer nicht vorhandenen Medienfreiheit kann schließlich heutzutage gar nicht die Rede sein – auch wenn die Medien in der Regel politisch nicht unabhängig sind, wird keine Einflussnahme auf regierungskritische Medien ausgeübt. Insbesondere die Internet-Medien avancierten zu den Plattformen des öffentlichen Diskurses, wobei vor allem regierungskritische Portale die meisten Besucher verzeichnen. 11 Mio. »Real Users« der regierungsfreundlichen Online-Medien stehen 13,7 Mio. Zugriffen auf regierungskritischen Seiten gegenüber.

Im Anschluss eröffnete sich dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und verschiedene Aspekte des Impulsvortrages zu kommentieren. Zur Sprache kamen etwa die gesetzliche Lage hinsichtlich der Hassrede im Internet, die Finanzierung von Medien im digitalen Zeitalter und die Herausforderungen des Qualitätsjournalismus. Herr Kálnoky wurde des Weiteren zu seiner Meinung über die Medienlandschaft in den anderen V4-Ländern sowie zum Ungarn-Bild in der deutschen Presse befragt. Kálnoky zufolge würden sich die deutschen Medien nicht nur gegen Ungarn unausgewogen positionieren. Ebenso herablassend werde zum Beispiel über die »faulen Griechen« oder die wegen des Brexits »dummen Engländer« geschrieben. Die Deutschen gefallen sich in ihrer Rolle, alleinig Recht zu haben, so Kálnoky. Dabei wurzele dies in der Selbstwahrnehmung der Deutschen, die sich mehrheitlich eher als Europäer denn Deutsche sehen. EU-kritische Töne aus Ungarn werden demnach von den Deutschen konsequent als Angriffe gegen sie selber empfunden, meinte Kálnoky. Das Verständnis für den ungarischen Blickwinkel sei in den vergangenen Jahren daher stark geschrumpft. Hierauf schloss Papke mit einem Plädoyer für mehr Fairness gegenüber Ungarn in der journalistischen Berichterstattung.


Ungarnaufstand 1956 - DUG Veranstaltung im CHB

DUG Präsident Gerhard Papke im Gespräch mit László Fodor (Die Veranstaltung fand am 16. November 2021 im Collegium Hungaricum Berlin/CHB statt.)


»Jetzt bin ich ein Freiheitskämpfer«

November 2021 von Zita Tipold

Wenn László Fodor von seiner Jugend erzählt, lässt das einen schmunzeln und im nächsten Atemzug stocken. Während andere noch die Schulbank drückten, kämpfte er als junger Mann für die Freiheit seines Landes. Gerade einmal 17 Jahre alt, als die sowjetischen Panzer im Oktober 1956 in Ungarn einrückten, um dem beginnenden Aufstand Einhalt zu gebieten.

Dieser erste, erfolgsversprechende revolutionäre Funke im Herzen Europas sollte später auf den gesamten Ostblock übergreifen und den Weg zum Ende der deutschen Teilung ebnen. Bei einer Veranstaltung der Deutsch-Ungarischen-Gesellschaft im Berliner Kulturforum Collegium Hungaricum schilderte Fodor anläßlich des 65. Jahrestags des Ungarnaufstands nun, was es heißt, aufzubegehren.

Wie leicht es war, anzuecken, merkte der aus einer offen konservativen Familie stammende Katholik schon früh. Als ihn sein Vater, ein früherer Berufsoffizier, auf dem heimischen Gymnasium in Sopron anmelden wollte, entgegnete der Direktor diesem nur: »Was für eine Unverschämtheit. Sie sind der größte Feind des ungarischen Volkes.«
Als er durch seinen Onkel, den stellvertretenden Schulleiter eines Technischen Gymnasiums in Veszprém, schließlich Zugang zu einer höheren Bildungsanstalt bekam, erklärte ihm der dortige Direktor sogleich, was er in seinem sowjetisch besetzten Heimatland zu erwarten hatte: »Wir haben hier das Ziel, dich zu einem treuen und überzeugten Sozialisten zu erziehen.« Eine bessere Note als ein »befriedigend« dürfe er bei seinem Elternhaus nicht erwarten.

»Wir Kinder haben die Russen gehasst«, erzählt Fodor mit Bitterkeit in der Stimme. Für ihn habe der Ungarn­aufstand schon viel früher begonnen: im März 1953, mit dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin. Als er davon erfahren habe, sei er die Treppe zum Klassen­zimmer hochgerannt und habe freudig gerufen: »Stalin ist tot, es lebe die Freiheit!« Doch es sollten noch drei Jahre vergehen, bis sich der bewaffnete Widerstand regte.

Kugel verfehlte Fodor nur knapp
Die geladene Stimmung habe sich schon im Sommer abgezeichnet. »Etwas hatte sich verändert, es lag was in der Luft«, erinnert er sich. Was sich über Jahre hinweg an Wut, Frustration und Kritik angestaut hatte, entlud sich schließlich mit voller Wucht am 23. Oktober. »Plötzlich hieß es ‘Russen raus’ und ‘Ungarn den Ungarn’“, schildert er lebhaft. Das habe ihn erschrocken – doch die Faszination überwog. Und schließlich hörte er den erlösenden Satz, auf den so viele seiner Landsleute so lange gewartet hatten: »In Budapest ist die Revolution ausgebrochen.« Da wusste er: »Jetzt geht es los.«

Sofort erklärte sich der junge Mann bereit, den Veszprémer Revolutionsrat zu unterstützen, wohl wissend, dass die Stadt eingekesselt von wichtigen Stützpunkten der Sowjets war. So machte er sich mit einem Freund auf den Weg, um mit einem Lkw Lebensmittel in die mittlerweile hermetisch abgeriegelte Hauptstadt zu bringen. Wie ernst die Situation bereits war, wurde ihm erst klar, als der Fahrer ihn anwies, für alle Fälle den Kopf unten zu halten, falls auf den Wagen geschossen werde. Beim Aussteigen sah er, dass ihn eine Kugel tatsächlich nur knapp verfehlt hatte. »Man denkt nicht nach, man macht einfach«, erzählt Fodor rückblickend.

Nach Budapest hinein zu gelangen, war die eine Sache, es wieder hinaus zu schaffen, die andere. Ehe er sich versah, legte ihm der Hausmeister, der die Lebensmittel

vom Laster abgeladen hatte, mit vielsagendem Blick eineWaffe in die Hand: ein Gewehr aus dem Zweiten Weltkrieg mit 60 Schuss. »Jetzt bin ich ein Freiheitskämpfer«, dachte sich Fodor. Zu Fuß schlug er sich von Buda nach Pest durch, damals noch zwei getrennte Städte. Mitten durch den noch immer andauernden Aufstand. Zu seinen Füßen lagen die Toten, die bereits im Kampf ihr Leben gelassen hatten.

Fodor sah Mitschüler sterben
Zurück in Veszprém schüttelte ein Bekannter angesichts der vielen Toten traurig den Kopf und fragte nach dem SInn des Aufstands. Das habe ihn schrecklich beleidigt, sagt Fodor, der ihm sogleich entgegnete: »Natürlich muss Blut fließen, aber wir werden gewinnen!« Doch da unterschätzte er die Übermacht des Gegners, der den Aufstand mit aller Gewalt niederwälzte.

Am 4. November trieben die Sowjets auch Fodor und seine Mitschüler auf der Straße zusammen. Auf den Befehl, die Hände in den Nacken zu legen, folgte das Geräusch ladender Gewehre. »Hoffentlich können sie zielen«, dachte Fodor, der hoffte, nicht lange leiden zu müssen. Plötzlich drehte sich ein Mitschüler um, doch eher er etwas entgegnen konnte, knallte ein Schuss und der Junge fiel tot zu Boden. Da tönte es aus der Menge: »Seid ihr verrückt geworden? Das sind doch noch Kinder!«, worauf die Soldaten von ihnen abließen.

Auf die Frage, ob er während des Aufstandes Angst hatte, schüttelt der heute 82jährige, der heute als Arzt im Ruhestand in Berlin lebt, den Kopf. »Es war ein Glücksgefühl, etwas für meine Heimat zu tun. Ich spürte, das, was wir tun, ist groß.« Jedoch wusste er damals auch, dass er nach dem niedergeschlagenen Aufstand nicht in Ungarn bleiben konnte. Er war bereits als Widerständler aktenkundig. So verließ er sein Land nach einem schmerzhaften Abschied von seiner Familie kurz darauf an einem regnerischen, nebligen Novembertag über die Grenze zu Österreich.

»Integration setzt Bereitschaft voraus«
Sein Weg führte ihn schließlich nach Deutschland, wo er sein Abitur machte, Medizin studierte und später mehrere Chefarztposten bekleidete. Auch wenn es mühsam war, sich in der Bundesrepublik zurechtzufinden und die deutsche Sprache zu lernen – es ist Fodor geglückt. »Integration setzt Bereitschaft voraus. Man muss sich mit dem Land identifizieren und vorankommen wollen«, betont er.

Für den Präsidenten der Deutsch-Ungarischen-Gesellschaft, Gerhard Papke, steht diese Geschichte beispielhaft für den großen Freiheitsdrang der Ungarn, der sich auch heute wieder zeige. Der Aufstand 1956 habe weit über die Landesgrenzen hinaus Mut gemacht. Auch deshalb blicke er als Deutscher mit Dank auf dieses Kulturvolk aus der Mitte Europas.
Dieser Text erschien erstmals bei der Wochenzeitung Junge Freiheit.

v.l.n.r. Dr. Gerhard Papke, Dr. László Fodor und Dr. Márta Nagy (Institutsleiterin CHB)


Agrarforschungspreise der Janelly-Akademie in Budapest verliehen

Dezember 2021: Zum 16. Mal wurden in der Akademie der Wissenschaften die diesjährigen Agrarforschungspreise der Janelly-Akademie verliehen. Den Artikel dazu (Budapester Zeitung) laden Sie bitte hier herunter.


Ein deutscher Kabarettist und Ungarn

September 2021

Detlev Schönauer ist deutscher Kabarettist, mittlerweile im Ruhestand und nach Ungarn umgezogen. Als aufmerksamer Beobachter macht er sich seine eigenen Gedanken über das deutsch-ungarische Verhältnis, so etwa in Form einer Glosse zum Ungarn-Bild in Deutschland. Und er schreibt zudem über seine persönlichen Erfahrungen als Rentner in Ungarn. Seine folgenden Beiträge konnten wir freundlicherweise aus der »Budapester Zeitung« übernehmen (Download bitte hier).


Unbedingt lesenswert!

»Im Karpaten­bogen: Ungarn und die Diaspora der Magyaren« ist ein Sammelband von Beiträgen des langjährigen FAZ-Korrespondenten und herausragenden Ungarn-Kenners Prof. Dr. Reinhard Olt (im Bild). Das Buch ist jedem Freund Ungarns wärmstens zur Lektüre zu empfehlen. Der Autor ist überzeugt davon, dass die Gewährung des rechtssicheren Volks­gruppen­schutzes sowie das Recht auf kulturelle und territoriale Auto­nomie zur Schaffung eines stabilen und sicheren Europas beitragen. Sein Buch ist auf Deutsch und Ungarisch erhältlich.
Mehr dazu und eine ausführlichere Buchbesprechung laden Sie sich bitte hier herunter.


Erinnerung an Professor Zénó Terplán

Anlässlich des 100. Geburtstages von Professor Zénó Terplán führte die Ungarische Akademie der Wissenschaften am 25.5.2021 eine Online-Festveranstaltung durch.
Dabei kamen unter anderem der Rektor der Universität Miskolc, ehemalige Präsidenten der Akademie in Miskolc, seine Nachfolger als Lehrstuhlleiter der Maschinenelemente, Kollegen, ehemalige Studenten und sein Sohn zu Wort.

Professor Terplán in einer seiner legendären Vorlesungen. Seine Tafelbilder waren druckreif.


Zénó Terplán wurde am 21.5.1921 in Hegyeshalom an der österreichisch-ungarischen Grenze geboren. Er absolvierte die Grundschule in Köszeg zweisprachig (deutsch-ungarisch), später das Gymnasium bei den Benediktern in Györ. Seine sehr guten Noten in naturwissenschaftlichen Fächern ermöglichten ihm ein Hochschulstudium an der József Nádor Technischen Universität in Budapest. 1943 schloss er dieses mit dem

Titel eines Diplom Ingenieures ab, er arbeitete nahtlos weiter als Assistent bei Professor Ábrahám Pattantyús  und später als Adjunkt.

Terplán wurde bereits mit 28 Jahren Lehrstuhlleiter, drei Jahre später erfolgte die Ernennung zum Professor an der Technischen Universität für Schwerindustrie in Miskolc . Dort unterrichtete er 108 Semester und erfüllte viele unterschiedliche Aufgaben wie folgt:

-  Gründung des Lehrstuhls für Maschinenelemente
-  Gründung der Fakultät für Maschinenbau
-  Stellvertreter des Rektors zwischen 1952 und 1960
-  Dekan der Fakultät Maschinenbau zwischen 1964 und 1968
-  Präsident der GTE (Wissenschaftlicher Verein für Maschinenbau) zwischen 1981 und 1990
-  Mitarbeit an der Dezentralisierung der Akademie,  zwischen 1979 und 1990 deren Sekretär und danach Präsident bis 1996.

Prof. Terplán war sehr aktiv in IFTOMM (International Federation for the Theory of Machines and Mechanisms) und versuchte schon damals Ost und West zusammen­zubringen.

Seine Vorlesungen waren legendär. Terpláns Tafelbilder, die er mit zwei Händen symmetrisch und mit farbigen Kreiden konstruierte waren druckreif.

Er publizierte mehrere Bücher in ungarischer und deutscher Sprache – insbesondere die Bücher über Planetengetriebe waren sehr bekannt. Dazu kommen noch über 500 Publikationen und Vorträge.


Aufruf zur Zusammenarbeit der Freunde Ungarns in Deutschland

 Januar 2021

Gemeinsamer Aufruf deutsch-ungarischer Organisationen für eine faire Bewertung Ungarns in Deutschland. Ungarn will keine Massenzuwanderung, sondern das christlich-abendländische Europa verteidigen. Dafür sollten wir Deutschen dankbar sein. Und für die Öffnung der Mauer 1989.

Download Aufruf deutsch
Download Aufruf ungarisch


»Ungarn im Gespräch«: Die Pandemie und ihre Folgen - DUG Veranstaltung in der ungarischen Botschaft in Berlin

von links nach rechts: Christian Schmidt, MdB; Gerhard Papke und Botschafter Péter Györkös








Das Vermächtnis Helmut Kohls nicht vergessen!

Am 9. September 2020 hatte die Deutsch-Ungarische Gesellschaft (DUG) erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder zu einer Präsenzveranstaltung eingeladen. Auch für die ungarische Botschaft in Berlin, der Ort der Veranstaltung, war es die erste größere Veranstaltung unter Corona-Bedingungen.

Auch für die ungarische Botschaft in Berlin, der Ort der Veranstaltung, war es die erste größere Veranstaltung unter Corona-Bedingungen. Die geltenden Hygieneregeln zum Infektionsschutz mussten selbstverständlich beachtet werden. Durch den nötigen Mindestabstand zwischen den Stühlen der Gäste sah es im großen Saal ein wenig wie bei einer Abiturprüfung aus, wie DUG-Präsident und Moderator der Veranstaltung, Gerhard Papke, bei seiner Begrüßung anmerkte.
Um so lebhafter erwies sich allerdings die anschließende Diskussion, für die die DUG Ungarns Botschafter Péter Györkös sowie den CSU-Bundestagsabgeordneten und früheren Bundesminister Christian Schmidt als Gesprächspartner gewonnen hatte. Beide kritisierten die häufig unsachliche Darstellung der ungarischen Notstandsmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie in der deutschen Öffentlichkeit.
Es sei nicht nachvollziehbar, dass weitreichende Sonderbefugnisse für die Regierungen Westeuropas als selbstverständlich betrachtet würden, im Falle Ungarns aber als strukturelle Bedrohung der Demokratie. Papkes Forderung zu Beginn des Abends, ungarische Politik endlich fair und sachgerecht zu bewerten, zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.

Botschafter Péter Györkös begrüßt die Gäste zur ersten Veranstaltung der DUG-Reihe »Ungarn im Gespräch.«




Europa geschlossen und handlungsfähig halten

Christian Schmidt, seit vielen Jahren einer der führenden Außenpolitiker der CSU, betonte die unbedingte Notwendigkeit, zu gemeinsamen Ergebnissen in der Europäischen Union zu kommen. Er prägte eine der


Schlüsselbotschaften des Abends, als er dafür warb, sich des »Kohl´schen Axioms« der deutsche Europa­politik zu erinnern: Nur durch die ver­trauens­volle Zusammenarbeit Deutschlands mit den kleineren und mittel­großen Ländern könne Europa geschlossen und hand­lungs­fähig bleiben. Wenn die EU sich aus­einan­der­divi­die­ren lasse, werde sie nach innen wie nach außen an Bedeutung verlieren.


Als Schatzmeister der Europäischen Volkspartei hatte Schmidt im übrigen schon früher öffentlich davor gewarnt, die ungarische Regierungspartei Fidesz aus dem konservativen Parteienverbund EVP auszuschließen. Eine solche Parteienfamilie, so Schmidt, müsse nun einmal eine unterschiedliche Bandbreite an Meinungen aushalten können.

Botschafter Györkös griff vor allem die zunehmende polit­ische Belie­big­keit der Rechts­staats­debatte auf, die immer wieder gegen Ungarn gerichtet werde. Über die Be­stim­mung der Grund­werte in Art. 2 des EU-Ver­tra­ges hinaus exis­tiere keine ein­heit­liche Defi­ni­tion von Rechts­staat­lich­keit, was angesichts ganz unter­schied­licher Ver­fassungs­tradi­tionen in Europa auch schwer­lich möglich sei. Die Gemein­samkeit europä­ischen Rechts bedeute eben nicht, alles über einen Kamm zu scheren.

Wer europä­isches Recht ver­letzt sehe, so der Bot­schaf­ter, könne dagegen klagen. Aber das Rechts­staats­argument zu instru­men­tali­sieren, um die poli­tischen Über­zeu­gun­gen anderer Länder zu diffa­mieren, sei nicht hin­nehm­bar und stelle in letzter Konse­quenz die Hand­lungs­fähig­keit der EU infrage. Ungarn erwarte jetzt auch einen zügigen Abschluss des vom Europa­parla­ment be­schlos­senen sog. Art. 7-Ver­fah­rens und baue dabei ins­be­son­dere auf die aktuelle deutsche Rats­präsi­dent­schaft.

Die Gäste der Ver­an­stal­tung, darunter auch der CSU-Bun­des­tags­abge­ord­nete Karl Holmeier, erlebten eine span­nende Tour durch aktuelle Fragen der Euro­pa­poli­tik. Die deutsch-ungarische Freund­schaft, auch das wurde deut­lich, besitzt nicht nur einen Wert an sich, so bedeu­tend dieser Wert auch ist. Es geht beim deutsch-ungarischen Ver­hält­nis auch um die Frage, ob die Euro­päische Union wieder zu einer Koopera­tions­kultur zurück­findet, die für Helmut Kohl zum Funda­ment seiner Politik gehörte.

Zu den Gästen der Veranstaltung zählten u.a.: Karl Holmeier, MdB; Heinz Soth; Dr. Peter Spary (v.l.n.r.)


Bürgerinitiative für regionale Kulturen

September 2020

An dieser Stelle möchten wir Sie auf die »Europäische Bürgerinitiative für die Gleichstellung der Regionen und die Erhaltung der regionalen Kulturen« aufmerksam machen. Die Initiative ist in Deutschland bisher kaum bekannt, in Ungarn findet sie aber bereits starke Unterstützung.

Der »Bund Ungarischer Organisationen in Deutschland«, mit dem wir als Deutsch-Ungarische Gesellschaft eng zusammenarbeiten, hat zu diesem Thema ein Informationsblatt mit weiterführenden Links zusammengestellt, das Sie sich hier herunterladen können.


DUG-Besuchergruppe bei Volkmar Klein im Deutschen Bundestag

Bundestagsabgeordneter Volkmar Klein (CDU)© Volkmar Klein, Facebook

Eine Gruppe von Mitgliedern der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland aus Berlin und Umgebung besuchte auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein (CDU) im Dezember den Deutschen Bundestag. Dabei konnten sie zunächst von der Besuchertribüne aus die laufende Plenarsitzung verfolgen, bevor sich der Abgeordnete persönlich Zeit nahm, um sich den Fragen seiner Gäste zu stellen.

Volkmar Klein, direkt gewählt im Wahlkreis Siegen-Wittgenstein, ist selbst Mitglied der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft und in Ungarn ein nachgefragter Gesprächspartner. Er berichtete von seinen jüngsten Besuchen in Budapest, aber auch von seinem weltweiten Engagement als Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die DUG-Delegation war sichtlich be­ein­druckt von der Vielfalt seiner Aufgaben. Unverzichtbare Präsenz in seinem westfälischen Wahlkreis, um Bürger­an­lieg­en möglichst unmittelbar aufnehmen zu können, und internationale Ver­pflich­tun­gen gehen Hand in Hand. So stand nach dem Austausch mit der DUG auch gleich ein Treffen mit einem Regie­rungs­ver­tre­ter aus Neuseeland an. Zu Ende war der Sitzungstag des Bundestages für den Abgeordneten allerdings damit noch lange nicht.


Erinnerung an 1956 und 1989 in Düsseldorf – Verabschiedung von Generalkonsul Balázs Szegner

DUG-Präsident Gerhard Papke, Generalkonsul Balázs Szegner, Staatssekretär Attila Steiner (von links nach rechts).


Mit 180 Gästen nahezu aus allen Nähten platzte der große Versammlungssaal des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf am 22. Oktober.

Das Generalkonsulat Ungarns in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt und die Deutsch-Ungarische Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland hatten zur gemeinsamen Gedenkveranstaltung zum Ungarischen Volksaufstand 1956 eingeladen. Die Veranstaltung erinnerte in diesem Jahr zusätzlich an die Ereignisse von 1989, als die kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa unter dem Druck der Völker zusammenbrachen, die endlich wieder ihre Freiheit zurückwollten.

Für den ungarischen Generalkonsul Balázs Szegner, der die Gäste mit herzlichen Worten begrüßte, bedeutete
die Veranstaltung zugleich seinen Abschied aus Nordrhein-Westfalen, wo er in den zurückliegenden Jahren als Repräsentant Ungarns herausragende Arbeit leistete. DUG-Präsident Gerhard Papke und Staatssekretär Attila Steiner als Vertreter der ungarischen Regierung würdigten den besonderen Beitrag Szegners zur deutsch-ungarischen Freundschaft

Staatssekretär Attila Steiner

und sein erfolgreiches Engagement, das tiefe Spuren hinterlassen habe. Papke überreichte Szegner als Abschiedsgeschenk eine Grubensicherheitslampe aus dem Steinkohlebergbau, versehen mit dem Hinweis, sie solle ihn immer daran erinnern, nach Deutschland zurückzukommen. Staatssekretär Attila Steiner aus dem ungarischen Ministerium für Justiz und Europa hatte zuvor in seiner Festrede das Selbstverständnis Ungarns als freiheitliche Gestaltungskraft in Europa herausgearbeitet. Die Ungarn seien überzeugte Europäer, bestünden aber in voller Übereinstimmung mit den Europäischen Verträgen darauf, ihren eigenen Überzeugungen zu folgen. 1956 und 1989 habe sich gleichermaßen gezeigt, wie sehr der Kontinent insgesamt davon profitieren könne.

Diesen Faden nahm auch DUG-Präsident Gerhard Papke in seiner Rede auf. Er erinnerte daran, dass Ungarn schon im August 1989 hunderten jungen DDR-Bürgern die Flucht in den Westen ermöglichte: »Hätten unsere Landsleute damals ihre Flucht an der innerdeutschen Grenze probiert, wären wohl viele von ihnen erschossen worden. Die Ungarn hingegen halfen ihnen«. Gerade Deutschland habe den Ungarn unendlich viel zu verdanken und dürfe dies niemals vergessen.

Gerhard Papke


Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war das von Papke moderierte Podiumsgespräch mit Staatssekretär Steiner und Kálmán Sóvári-Soós, einem aktiven Teilnehmer des 56er Volksaufstandes, dessen Erinnerungen die ganze Dramatik der damaligen Ereignisse noch einmal lebendig werden ließen. Er und die anderen Freiheitskämpfer von 1956 hätten bei aller Enttäuschung über das Scheitern des von russischen Panzern niedergewalzten Volksaufstands ihre Hoffnung nie verloren: »1989«, so Kálmán Sóvári-Soós, der als Ingenieur und Physiker in Deutschland wie viele andere Exilungarn außerordentlich erfolgreich war, »hat die Freiheitsliebe des ungarischen Volkes schließlich doch gesiegt«.