Deutsch-Ungarische Gesellschaft

in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Ein deutscher Kabarettist und Ungarn

September 2021

Detlev Schönauer ist deutscher Kabarettist, mittlerweile im Ruhestand und nach Ungarn umgezogen. Als aufmerksamer Beobachter macht er sich seine eigenen Gedanken über das deutsch-ungarische Verhältnis, so etwa in Form einer Glosse zum Ungarn-Bild in Deutschland. Und er schreibt zudem über seine persönlichen Erfahrungen als Rentner in Ungarn. Seine folgenden Beiträge konnten wir freundlicherweise aus der »Budapester Zeitung« übernehmen (Download bitte hier).


Unbedingt lesenswert!

»Im Karpaten­bogen: Ungarn und die Diaspora der Magyaren« ist ein Sammelband von Beiträgen des langjährigen FAZ-Korrespondenten und herausragenden Ungarn-Kenners Prof. Dr. Reinhard Olt (im Bild). Das Buch ist jedem Freund Ungarns wärmstens zur Lektüre zu empfehlen. Der Autor ist überzeugt davon, dass die Gewährung des rechtssicheren Volks­gruppen­schutzes sowie das Recht auf kulturelle und territoriale Auto­nomie zur Schaffung eines stabilen und sicheren Europas beitragen. Sein Buch ist auf Deutsch und Ungarisch erhältlich.
Mehr dazu und eine ausführlichere Buchbesprechung laden Sie sich bitte hier herunter.


Erinnerung an Professor Zénó Terplán

Anlässlich des 100. Geburtstages von Professor Zénó Terplán führte die Ungarische Akademie der Wissenschaften am 25.5.2021 eine Online-Festveranstaltung durch.
Dabei kamen unter anderem der Rektor der Universität Miskolc, ehemalige Präsidenten der Akademie in Miskolc, seine Nachfolger als Lehrstuhlleiter der Maschinenelemente, Kollegen, ehemalige Studenten und sein Sohn zu Wort.

Professor Terplán in einer seiner legendären Vorlesungen. Seine Tafelbilder waren druckreif.


Zénó Terplán wurde am 21.5.1921 in Hegyeshalom an der österreichisch-ungarischen Grenze geboren. Er absolvierte die Grundschule in Köszeg zweisprachig (deutsch-ungarisch), später das Gymnasium bei den Benediktern in Györ. Seine sehr guten Noten in naturwissenschaftlichen Fächern ermöglichten ihm ein Hochschulstudium an der József Nádor Technischen Universität in Budapest. 1943 schloss er dieses mit dem

Titel eines Diplom Ingenieures ab, er arbeitete nahtlos weiter als Assistent bei Professor Ábrahám Pattantyús  und später als Adjunkt.

Terplán wurde bereits mit 28 Jahren Lehrstuhlleiter, drei Jahre später erfolgte die Ernennung zum Professor an der Technischen Universität für Schwerindustrie in Miskolc . Dort unterrichtete er 108 Semester und erfüllte viele unterschiedliche Aufgaben wie folgt:

-  Gründung des Lehrstuhls für Maschinenelemente
-  Gründung der Fakultät für Maschinenbau
-  Stellvertreter des Rektors zwischen 1952 und 1960
-  Dekan der Fakultät Maschinenbau zwischen 1964 und 1968
-  Präsident der GTE (Wissenschaftlicher Verein für Maschinenbau) zwischen 1981 und 1990
-  Mitarbeit an der Dezentralisierung der Akademie,  zwischen 1979 und 1990 deren Sekretär und danach Präsident bis 1996.

Prof. Terplán war sehr aktiv in IFTOMM (International Federation for the Theory of Machines and Mechanisms) und versuchte schon damals Ost und West zusammen­zubringen.

Seine Vorlesungen waren legendär. Terpláns Tafelbilder, die er mit zwei Händen symmetrisch und mit farbigen Kreiden konstruierte waren druckreif.

Er publizierte mehrere Bücher in ungarischer und deutscher Sprache – insbesondere die Bücher über Planetengetriebe waren sehr bekannt. Dazu kommen noch über 500 Publikationen und Vorträge.











Aufruf zur Zusammenarbeit der Freunde Ungarns in Deutschland

 Januar 2021

Gemeinsamer Aufruf deutsch-ungarischer Organisationen für eine faire Bewertung Ungarns in Deutschland. Ungarn will keine Massenzuwanderung, sondern das christlich-abendländische Europa verteidigen. Dafür sollten wir Deutschen dankbar sein. Und für die Öffnung der Mauer 1989.

Download Aufruf deutsch
Download Aufruf ungarisch


»Ungarn im Gespräch«: Die Pandemie und ihre Folgen - DUG Veranstaltung in der ungarischen Botschaft in Berlin

von links nach rechts: Christian Schmidt, MdB; Gerhard Papke und Botschafter Péter Györkös








Das Vermächtnis Helmut Kohls nicht vergessen!

Am 9. September 2020 hatte die Deutsch-Ungarische Gesellschaft (DUG) erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder zu einer Präsenzveranstaltung eingeladen. Auch für die ungarische Botschaft in Berlin, der Ort der Veranstaltung, war es die erste größere Veranstaltung unter Corona-Bedingungen.

Auch für die ungarische Botschaft in Berlin, der Ort der Veranstaltung, war es die erste größere Veranstaltung unter Corona-Bedingungen. Die geltenden Hygieneregeln zum Infektionsschutz mussten selbstverständlich beachtet werden. Durch den nötigen Mindestabstand zwischen den Stühlen der Gäste sah es im großen Saal ein wenig wie bei einer Abiturprüfung aus, wie DUG-Präsident und Moderator der Veranstaltung, Gerhard Papke, bei seiner Begrüßung anmerkte.
Um so lebhafter erwies sich allerdings die anschließende Diskussion, für die die DUG Ungarns Botschafter Péter Györkös sowie den CSU-Bundestagsabgeordneten und früheren Bundesminister Christian Schmidt als Gesprächspartner gewonnen hatte. Beide kritisierten die häufig unsachliche Darstellung der ungarischen Notstandsmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie in der deutschen Öffentlichkeit.
Es sei nicht nachvollziehbar, dass weitreichende Sonderbefugnisse für die Regierungen Westeuropas als selbstverständlich betrachtet würden, im Falle Ungarns aber als strukturelle Bedrohung der Demokratie. Papkes Forderung zu Beginn des Abends, ungarische Politik endlich fair und sachgerecht zu bewerten, zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.

Botschafter Péter Györkös begrüßt die Gäste zur ersten Veranstaltung der DUG-Reihe »Ungarn im Gespräch.«




Europa geschlossen und handlungsfähig halten

Christian Schmidt, seit vielen Jahren einer der führenden Außenpolitiker der CSU, betonte die unbedingte Notwendigkeit, zu gemeinsamen Ergebnissen in der Europäischen Union zu kommen. Er prägte eine der



Schlüsselbotschaften des Abends, als er dafür warb, sich des »Kohl´schen Axioms« der deutsche Europa­politik zu erinnern: Nur durch die ver­trauens­volle Zusammenarbeit Deutschlands mit den kleineren und mittel­großen Ländern könne Europa geschlossen und hand­lungs­fähig bleiben. Wenn die EU sich aus­einan­der­divi­die­ren lasse, werde sie nach innen wie nach außen an Bedeutung verlieren.


Als Schatzmeister der Europäischen Volkspartei hatte Schmidt im übrigen schon früher öffentlich davor gewarnt, die ungarische Regierungspartei Fidesz aus dem konservativen Parteienverbund EVP auszuschließen. Eine solche Parteienfamilie, so Schmidt, müsse nun einmal eine unterschiedliche Bandbreite an Meinungen aushalten können.

Botschafter Györkös griff vor allem die zunehmende polit­ische Belie­big­keit der Rechts­staats­debatte auf, die immer wieder gegen Ungarn gerichtet werde. Über die Be­stim­mung der Grund­werte in Art. 2 des EU-Ver­tra­ges hinaus exis­tiere keine ein­heit­liche Defi­ni­tion von Rechts­staat­lich­keit, was angesichts ganz unter­schied­licher Ver­fassungs­tradi­tionen in Europa auch schwer­lich möglich sei. Die Gemein­samkeit europä­ischen Rechts bedeute eben nicht, alles über einen Kamm zu scheren.

Wer europä­isches Recht ver­letzt sehe, so der Bot­schaf­ter, könne dagegen klagen. Aber das Rechts­staats­argument zu instru­men­tali­sieren, um die poli­tischen Über­zeu­gun­gen anderer Länder zu diffa­mieren, sei nicht hin­nehm­bar und stelle in letzter Konse­quenz die Hand­lungs­fähig­keit der EU infrage. Ungarn erwarte jetzt auch einen zügigen Abschluss des vom Europa­parla­ment be­schlos­senen sog. Art. 7-Ver­fah­rens und baue dabei ins­be­son­dere auf die aktuelle deutsche Rats­präsi­dent­schaft.

Die Gäste der Ver­an­stal­tung, darunter auch der CSU-Bun­des­tags­abge­ord­nete Karl Holmeier, erlebten eine span­nende Tour durch aktuelle Fragen der Euro­pa­poli­tik. Die deutsch-ungarische Freund­schaft, auch das wurde deut­lich, besitzt nicht nur einen Wert an sich, so bedeu­tend dieser Wert auch ist. Es geht beim deutsch-ungarischen Ver­hält­nis auch um die Frage, ob die Euro­päische Union wieder zu einer Koopera­tions­kultur zurück­findet, die für Helmut Kohl zum Funda­ment seiner Politik gehörte.

Zu den Gästen der Veranstaltung zählten u.a.: Karl Holmeier, MdB; Heinz Soth; Dr. Peter Spary (v.l.n.r.)



Bürgerinitiative für regionale Kulturen

September 2020

An dieser Stelle möchten wir Sie auf die »Europäische Bürgerinitiative für die Gleichstellung der Regionen und die Erhaltung der regionalen Kulturen« aufmerksam machen. Die Initiative ist in Deutschland bisher kaum bekannt, in Ungarn findet sie aber bereits starke Unterstützung.

Der »Bund Ungarischer Organisationen in Deutschland«, mit dem wir als Deutsch-Ungarische Gesellschaft eng zusammenarbeiten, hat zu diesem Thema ein Informationsblatt mit weiterführenden Links zusammengestellt, das Sie sich hier herunterladen können.


DUG-Besuchergruppe bei Volkmar Klein im Deutschen Bundestag

Bundestagsabgeordneter Volkmar Klein (CDU)© Volkmar Klein, Facebook

Eine Gruppe von Mitgliedern der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland aus Berlin und Umgebung besuchte auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein (CDU) im Dezember den Deutschen Bundestag. Dabei konnten sie zunächst von der Besuchertribüne aus die laufende Plenarsitzung verfolgen, bevor sich der Abgeordnete persönlich Zeit nahm, um sich den Fragen seiner Gäste zu stellen.

Volkmar Klein, direkt gewählt im Wahlkreis Siegen-Wittgenstein, ist selbst Mitglied der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft und in Ungarn ein nachgefragter Gesprächspartner. Er berichtete von seinen jüngsten Besuchen in Budapest, aber auch von seinem weltweiten Engagement als Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die DUG-Delegation war sichtlich be­ein­druckt von der Vielfalt seiner Aufgaben. Unverzichtbare Präsenz in seinem westfälischen Wahlkreis, um Bürger­an­lieg­en möglichst unmittelbar aufnehmen zu können, und internationale Ver­pflich­tun­gen gehen Hand in Hand. So stand nach dem Austausch mit der DUG auch gleich ein Treffen mit einem Regie­rungs­ver­tre­ter aus Neuseeland an. Zu Ende war der Sitzungstag des Bundestages für den Abgeordneten allerdings damit noch lange nicht.


Erinnerung an 1956 und 1989 in Düsseldorf – Verabschiedung von Generalkonsul Balázs Szegner

DUG-Präsident Gerhard Papke, Generalkonsul Balázs Szegner, Staatssekretär Attila Steiner (von links nach rechts).


Mit 180 Gästen nahezu aus allen Nähten platzte der große Versammlungssaal des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf am 22. Oktober.

Das Generalkonsulat Ungarns in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt und die Deutsch-Ungarische Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland hatten zur gemeinsamen Gedenkveranstaltung zum Ungarischen Volksaufstand 1956 eingeladen. Die Veranstaltung erinnerte in diesem Jahr zusätzlich an die Ereignisse von 1989, als die kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa unter dem Druck der Völker zusammenbrachen, die endlich wieder ihre Freiheit zurückwollten.

Für den ungarischen Generalkonsul Balázs Szegner, der die Gäste mit herzlichen Worten begrüßte, bedeutete
die Veranstaltung zugleich seinen Abschied aus Nordrhein-Westfalen, wo er in den zurückliegenden Jahren als Repräsentant Ungarns herausragende Arbeit leistete. DUG-Präsident Gerhard Papke und Staatssekretär Attila Steiner als Vertreter der ungarischen Regierung würdigten den besonderen Beitrag Szegners zur deutsch-ungarischen Freundschaft

Staatssekretär Attila Steiner

und sein erfolgreiches Engagement, das tiefe Spuren hinterlassen habe. Papke überreichte Szegner als Abschiedsgeschenk eine Grubensicherheitslampe aus dem Steinkohlebergbau, versehen mit dem Hinweis, sie solle ihn immer daran erinnern, nach Deutschland zurückzukommen. Staatssekretär Attila Steiner aus dem ungarischen Ministerium für Justiz und Europa hatte zuvor in seiner Festrede das Selbstverständnis Ungarns als freiheitliche Gestaltungskraft in Europa herausgearbeitet. Die Ungarn seien überzeugte Europäer, bestünden aber in voller Übereinstimmung mit den Europäischen Verträgen darauf, ihren eigenen Überzeugungen zu folgen. 1956 und 1989 habe sich gleichermaßen gezeigt, wie sehr der Kontinent insgesamt davon profitieren könne.

Diesen Faden nahm auch DUG-Präsident Gerhard Papke in seiner Rede auf. Er erinnerte daran, dass Ungarn schon im August 1989 hunderten jungen DDR-Bürgern die Flucht in den Westen ermöglichte: »Hätten unsere Landsleute damals ihre Flucht an der innerdeutschen Grenze probiert, wären wohl viele von ihnen erschossen worden. Die Ungarn hingegen halfen ihnen«. Gerade Deutschland habe den Ungarn unendlich viel zu verdanken und dürfe dies niemals vergessen.

Gerhard Papke


Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war das von Papke moderierte Podiumsgespräch mit Staatssekretär Steiner und Kálmán Sóvári-Soós, einem aktiven Teilnehmer des 56er Volksaufstandes, dessen Erinnerungen die ganze Dramatik der damaligen Ereignisse noch einmal lebendig werden ließen. Er und die anderen Freiheitskämpfer von 1956 hätten bei aller Enttäuschung über das Scheitern des von russischen Panzern niedergewalzten Volksaufstands ihre Hoffnung nie verloren: »1989«, so Kálmán Sóvári-Soós, der als Ingenieur und Physiker in Deutschland wie viele andere Exilungarn außerordentlich erfolgreich war, »hat die Freiheitsliebe des ungarischen Volkes schließlich doch gesiegt«.